Wie schrecklich allein wir doch sind

Je länger je mehr höre ich auch von cleveren, fähigen Menschen: «Die KI hilft mir schon sehr.»

Und dann höre ich mir ihre Argumente an: Die Arbeit geht schneller vonstatten, als zuvor. Die Ratschläge erweisen sich als wertvoll im Alltag. Die persönliche Krise konnte dank ChatGPT abgewendet werden.

Und ich sitze nur da und denke mir, in tiefer Trauer, nicht in verurteilend, sondern den Tränen nah: «Wie schrecklich allein du doch bist.»

Leute von meinem Fach zeigen mir, wie sie Dinge mit KI erledigen. Nicht, weil sie es selbst nicht könnten. Sondern weil sie so massiv unter Druck stehen, dass eine Ersparnis von 180 Sekunden ihnen effektiv den Tag rettet. Und kein Mensch hilft ihnen.

Leute, die im Alltag an ähnlichen Dingen scheitern wie ich, zeigen mir, wie die KI sie motiviert. Nicht, weil sie selbst zu dumm oder faul sind. Sondern weil ihre Scham nicht zulässt, ihre Mitmenschen und Liebsten um Unterstützung zu bitten.

Leute, die Ähnliches erlebt haben wie ich, zeigen mir, die aufbauenden Gespräche mit ChatGPT. Nicht, weil sie nicht gerne in eine professionelle Therapie wollen. Sondern weil sie keinen Zugang zu dieser finden.

Es bricht mir das Herz.

Weil ich um die Motivation der Architekten und Verkäufer der KI weiss.

Es geht nicht darum, deine Probleme zu lösen.

Es geht darum, deren Problem zu lösen.

Und dieses Problem bist du.

Denn du konsumierst nicht genug.

Und wenn du konsumierst, gibst du nicht genug Geld aus, um den bodenlosen Rachen dieser Unmenschen zu stopfen.

Deren Ziel ist, dich schrittweise unwissend und unfähig zu machen und dich komplett zu isolieren.

Ein einfaches kulinarisches Beispiel:

Die komplett verkochte Pasta mit minderwertigem Trüffel für 45 Franken, die auf Instagram von kulturlosen Neureichen gefeiert wird. Auch du sollst diese fressen. Und du wirst diese fressen und in deiner Insta-Story behaupten, es wäre die beste Pasta auf der Welt. Weil du es schlicht nicht besser weisst.

Dann, wenn du ganz isoliert bist.

Nichts mehr weisst.

Und nichts mehr kannst.

Dann wird man dir absolut alles verkaufen können.

Damit meine ich nicht nur Waren und Dienstleistungen, die den Preis nicht wert sind, sondern zuvor auch mal kostenlos waren.

Man wird dir vor allem auch Ideen verkaufen können. Ideen wie zum Beispiel:

Krieg ist Frieden
(Essenziell, um Arbeitsplätze und Wohlstand zu erhalten)

Freiheit ist Sklaverei
(Demokratie ist ineffektiv und wir brauchen einen Führer, der vorwärts macht)

Unwissenheit ist Stärke
(Wir brauchen keine Wissenschaftler und Philosophen, sondern Soldaten)

Der perfekte Konsument und Bürger ist unmündig, ahnungslos und isoliert. Und ihm bleibt monatlich verfügbares Einkommen für hirnlosen Konsum zur Kultivierung eines blinden Gehorsams.

Ich arbeite als Pianist im Bordell (Werbung). Wenn jemand weiss, wie diese Mechanismen funktionieren, dann sind es Arschlöcher wie ich.

Zurück
Zurück

Vom Hunger

Weiter
Weiter

Ich sehe dich, du siehst mich nicht